Osnabrück. „Menschen zu begleiten heißt auch, von Menschen zu lernen“, sagte Prof. Dr. Winfried Hardinghaus – und etwa 500 Besucherinnen und Besucher in der Katharinenkirche in Osnabrück hörten ihm ebenso gebannt zu, wie kurz vorher einem Ensemble der Berliner Philharmoniker. Hintergrund: SPES VIVA hatte zu einem besonderen Benefizkonzert eingeladen, bei dem Mozart und Brahms genauso im Mittelpunkt standen, wie die Arbeit der vielen Helferinnen und Helfer bei SPES VIVA.
Um diese anschaulich zu machen, hatte Hardinghaus Verstärkung dabei: Maria Jäger und Martina Risius sind ehrenamtlich engagiert – und erzählten von ihren Erfahrungen in der Arbeit. Jäger, die auf eine ambulante 15jährige Begeleitung von Schwerstkranken und Sterbenden und ihren Angehörigen zurückblickt, berichtete auch über ein Thema, das für viele unter das Attribut „tabu“ fällt: die Bestattung von nicht bestattungspflichtigen Kindern. „Wir begleiten Eltern und Angehörige bei Fehlgeburten und kümmern uns darum, dass auch Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm bestattet werden können. Unsere Erfahrung zeigt: Für den Trauerprozess kann das für die Betroffenen ungemein wichtig sein“, sagte Jäger. Bei einem ganz anderen Arbeitsbereich von SPES VIVA ist Martina Risius ehrenamtlich engagiert: dem Trauerland in Belm. Die Einrichtung kümmert sich um die Begleitung von trauernden Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien. „Kinder trauern anders als Erwachsene – und deshalb benötigen sie auch eine andere Zuwendung. Die bekommen sie im Trauerland.“ Jäger und Risius stehen dabei exemplarisch für rund 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei SPES VIVA.
Eingerahmt wurden die Informationen nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Reinhold Kassing, von einem Konzert herausragender Künstler: Latica Honda-Rosenberg, Romano Tommasini, Wilfried Strehle, Christoph Igelbrink, Wenzel Fuchs und Wolfgang Kühnl, allesamt Mitglied der Berliner Philharmoniker, spielten Werke von Mozart und Brahms. Herausragend dabei: vor allem Strehle und Latica-Rosenberg, die an Viola beziehungsweise Violine zeigten, warum ihr Ruf von internationalem Rang ist. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Ensembles gelang ein harmonischer Vortrag ganz unterschiedlicher Werke.
Harmonisch – so beschrieb auch Hardinghaus die Säulen von SPES VIVA. Neben schon erwähntem Trauerland zählen dazu die Palliativstation am Krankenhaus St. Raphael in Ostercappeln und die Hospizarbeit. „Wir legen Wert darauf, dass unsere haupt – und ehrenamtlichen Arbeitsbereiche eng verzahnt sind und partnerschaftlich miteinander agieren.“ Die Einnahmen des Konzerts gingen an eben diese Arbeitsbereiche von SPES VIVA und den Aufbau einer SPES VIVA-ähnlichen Einrichtung in Russland.
Seit dem Oktober 1997, in dem das 1. SPES VIVA-Benefizkonzert mit dem Jugendsymphonieorchester Detmold in der Osnabrücker Salzmarkthalle und der Moderation von Christian Floto vom ZDF-Gesundheitsmagazin zu einem ersten großen Ausrufezeichen für das Modellprojekt wurde, hat sich in beinahe jedem Jahr eine Benefizaktion zu Gunsten SPES VIVA als Highlight der christlich-humanen Sache erwiesen. Zu einem schon fast traditionellen Ort dieser Veranstaltungen hat sich das Schloss Ippenburg erwiesen. Eindrucksvoll war auch der Auftritt eines Ensembles der Berliner Philharmoniker im Hohen Dom zu Osnabrück im Dezember 2008.
Gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Lage ist es eine große Aufgabe, Mittel für den Fortbestand der Durchführung der Idee SPES VIVA im Markt zu requirieren. Um so größer auch der Dank SPES VIVAs an seine unermüdlichen Förderer. Auf den Veranstaltungen wird immer wieder versucht, durch eindrucksvolle Einspielungen oder nahegehende Interviews vor dem Forum, die Herzen der Menschen zu erreichen und zu öffnen. Wichtig ist aber auch für die Idee an sich, sie im Gespräch zu halten, sie immer wieder zu inszenieren und voranzubringen. Auch hier helfen die ehrenamtlichen HospizhelferInnen mit ihrem Stand, Informationen und Angebote anzubieten.