Die Situation um das Sterben in Krankenhäusern als eine vornehmliche Aufgabe im Gesundheitswesen hat sich bis vor wenigen Jahren zu oft noch seiner notwendigen Bewertung entzogen.
Auf unserer wohnlich eingerichteten SPES VIVA Palliativstation können Patienten und Angehörige Tag und Nacht beisammen sein. Hier gibt es Raum für Gespräche miteinander und mit uns. So bieten wir „rooming in“ am Ende des Lebens und „Raum für Gefühle“. Der Leitgedanke, dass der Tod zum Leben gehört, wurde bereits im Rahmen der 1994 im Klinikbereich integrierten Wohneinheiten, räumlich wie ideell mitten in das Stationsleben zentriert, erfahrbar. Ein interdisziplinär tätiges und sehr engagiertes Team auf Basis einer flachen Hierarchie aus Medizinern, Pflegenden, Seelsorgern, Sozialarbeiterinnen, Physiotherapeuten u.a. Berufsgruppen stellen das kompetente Umfeld für die Durchführung der Idee SPES VIVA dar. Dazu zählen natürlich auch unsere rund 50 ehrenamtlich und ambulant arbeitenden Hospizhelfer/Innen. Unsere fachliche Qualifikation stützt sich auf ein wissenschaftlich gesichertes multimodales Schmerztherapie- bzw. Palliativ-Pflegekonzept. Hierbei nimmt die Symptomenkontrolle eine zentrale Rolle ein.
Wir wollen durch unseren Dienst bezeugen, dass für uns Sterbebegleitung Lebenshilfe in der letzten Phase ist. Wir sind dem Leidenden Weggefährte und stimmen unsere Arbeit auf seine Nöte und Bedürfnisse ab.
Wir schließen Angehörige und Freunde, auch Kinder und Jugendliche, in die Begleitung mit ein und unterstützen nach dem Tod ihren Trauerprozess. Dies auch im Rahmen regelmäßig angebotener meditativer Gottesdienste mit anschließendem Beisammensein sowie einem Gruppenangebot für Trauernde einmal monatlich. Außerdem kümmert sich ein Team von ehrenamtlichen SPES VIVA Mitarbeiterinnen um junge Mütter, die schon in der Schwangerschaft ihr Kind verlieren. Es wird für eine würdevolle orts- und zeitnahe Beerdigung des auch nur wenige Wochen alten Kindes gesorgt.
Das SPES VIVA – Leitbild ist mitgeprägt durch Euthanasie – Debatten in Deutschland und den westlichen Nachbarländern. So stellen wir uns vorsätzlich gegen jede Form von aktiver Sterbehilfe und etwaiger Liberalisierungsversuche. Wir wollen ein Sterben an der Hand und nicht durch die Hand eines Helfers.
Um in Würde sterben zu können, braucht der Patient vor einem Verlust von Selbstbestimmung keine Angst zu haben. Wenn er eine Behandlung, auch mutmaßlich, ablehnt, dann wird sie nicht durchgeführt. Andererseits geben wir ihm so umfassend wie möglich die Gelegenheit, sich mit seiner Endlichkeit auseinandersetzen, Fragen zu stellen, Abschied zu nehmen oder los zu lassen. Für eine gelingende Kommunikation mit den Betroffenen indes ist Voraussetzung unsere eigene reflektierte Weltanschauung und damit verbunden auch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod.
Vorrangig vor notwendigem modernem Krankenhausmanagement, gewichtiger als äußere Anerkennung aufgrund auswärtiger Übernahme unseres SPES VIVA – Modells gemäß Projektauftrag des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands oder auch infolge bundesweiter Auszeichnungen, bleibt uns die unmittelbare Beziehung zum Patienten selbst oberstes Ziel. Denn wir lernen jeden Tag aufs Neue, dass nicht nur das Heilen von Krankheiten, sondern auch allein das Begleiten eine wundervolle und vor allem christliche Aufgabe der Nächstenliebe ist.
Jedenfalls bleibt Kierkegards kniender Helfer Vorbild und Leitbild für unser SPES VIVA - „Dienst“-Verständnis:
„Jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einem Herablassen anfangen. Der Helfer muss zuerst knien vor dem, dem er helfen möchte. Er muss begreifen, dass helfen nicht herrschen ist, sondern dienen.“