Von den integrierten Stationseinheiten bis zur Palliativstation

Die strukturellen Anfänge von SPES VIVA machten die auf den Stationen 2 und 5 und auf der Intensivstation des Krankenhauses St. Raphael eingerichteten Wohnzimmer mit Verbindungen zu den Krankenzimmern, die den Angehörigen einen unmittelbaren Zugang in der Begleitung und beim Abschiednehmen ermöglichen. Als „rooming in“ am Ende des Lebens sind diese Zimmer mit Übernachtungsmöglichkeit ausgestattet, ebenso mit kleiner Teeküche, Fernsehgerät und kleiner Bibliothek und bequemen Sitzgelegenheiten.

In diesen sogenannten Wohnzimmern können Gespräche mit Angehörigen stattfinden. Die freundlich und positiv ausgestalteten Räume sind so eine Pufferzone zwischen Hoffen und Bangen, zugleich aber auch ein angemessener Raum für die Auf- und Annahme von schlechten Prognosen, ein „Raum für Gefühle“ wie ein Fernsehbericht titelte.

Das Wohnzimmer der PalliativstatonSPES VIVA

2008 wurde in den Niels-Stensen-Kliniken, Krankenhaus St. Raphael, dann das Konzept soweit fortgeschrieben, dass eine eigenständige Palliativstation gebaut und eingerichtet wurde. Die Palliativstation ist eine Weiterentwicklung der Grundidee SPES VIVA mit seinen auf den Stationen integrierten und ursprünglich für die eigenen Krankenhauspatienten eingerichteten „Wohnzimmern“. Der Bedarf entstand durch die stark gestiegene Nachfrage von außen aufgrund der inzwischen bekannten palliativmedizinischen Kompetenz. In diesem neu konzipierten Teil des Krankenhaus St. Raphael ist es nun möglich mit 9 Betten für Kriseninterventionen Patienten aufzunehmen, zu betreuen und auch – nach Überwindung der Krise – die Patienten wieder nach Hause oder in eine andere stationäre Einrichtung zu überstellen, nicht selten nur vorübergehend.

Etwa die Hälfte der Patienten verstirbt beim ersten Aufenthalt.

Die Palliativstation ist baulich und durch die Innenausgestaltung in einem eher entspannenden, mediterranen Flair gehalten. Durch ein Glasportal vom Rest des Krankenhauses getrennt, erfährt der Patient, wie auch die betreuenden Fachkräfte und die Besucher den hohen Anspruch der Aufgabe und zugleich die auf Gelöstheit hin angelegte Einrichtung. Keiner würde hier ein Klavier vermuten, dessen aufgeschlagenes Notenbrevier auch vermuten lässt, dass hier auch tatsächlich mal Mozart oder Gershwin angeschlagen wird.

Wintergarten der Palliativstation SPES VIVA

Ein Wintergarten vervollständigt seit 2008 die 9-Betten-Station. Die beinahe lautlose, eher entspannend wirkende Aura der Station entkrampft Patienten und Besucher und unterstützt auch wohlwollend die harte Alltagsarbeit der Verantwortlichen. Nicht zuletzt aber nimmt sie auch und vor allem die schwerkranken und sterbenden Patienten beruhigend in sich auf. Wie seinerzeit bei den Wohnzimmern auf den Stationen, so ist auch die Realisierung der Palliativstation durch die Mittelrequirierung des Fördervereins SPES VIVA sowie der Sparkassenstiftung im Landkreis Osnabrück entscheidend unterstützt worden.

Wer kommt auf die Palliativstation und was passiert bei einer Entlassung?

Symptome und Beschwerden sind ambulant nicht beherrschbar und erfordern eine stationäre Behandlung. Anfragen und Anmeldungen erfolgen über die Stationsärztinnen/Stationsärzte. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Die SPES VIVA-Palliativstation kann keine Dauereinrichtung bzw. Dauerpflege bieten. Nach Besserung der akuten Beschwerden wird eine Entlassung in die gewohnte Umgebung angestrebt.

Flur der SPES VIVA Palliativstation

Eine vor- und nachstationäre Beratung zu Pflegeeinstufung und Finanzierung der Pflege zu Hause, Behördenangelegenheiten, Patientenverfügungen, Vollmachten und Betreuungen nach der Schmerz- und Symptomenlinderung und der seelischen wie psychosozialen Betreuung gehören zum Umfang der palliativstationären Leistungen. Hausbesuche sind bei Bedarf auch nach der Entlassung möglich. Ehrenamtlich HospizhelferInnen kümmern sich um den Übergang für den Patienten, die Angehörigen, die Pflege – und anderen Dienste.

Vorträge, Führungen durch die Palliativstation und die Vermittlung von Angeboten für Trauernde. regelmäßige meditative Nachtreffen im Krankenhaus, im Projekt Trauerland (s. dort) runden diese Leistungen ab.