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25-jähriges Jubiläum in Ostercappeln gefeiert

Ostercappeln. Sterben beginne nicht erst in den letzten Tagen vor dem Tod, sondern im Zeitalter der High-Tech-Medizin anders und eher als noch früher. Das sagte Franz Müntefering, ehemaliger Vize-Bundeskanzler, im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen von SPES VIVA die mit einer Andacht mit Bischof Dr. Franz-Josef Bode begann.

Auch die Auseinandersetzung mit dem Sterben habe sich daher verändert, so Müntefering. Sterben beginne im Leben und sei Teil des Lebens. Das sei vielen nicht klar. Die Frage „wie werde ich älter“ hänge eng zusammen mit der Frage „wie sterbe ich“. Es sei daher für jeden Menschen wichtig, sich frühzeitig Gedanken über das Sterben zu machen und Menschen an der Hand zu wissen, die Begleitung gäben. Dafür sei Spes Viva ein eindrucksvolles Beispiel, das vor 25 Jahren in Ostercappeln von Prof. Dr. Hardinghaus entwickelt, bundesweit viele Nachahmer gefunden habe.

Zeit zu haben für Sterbende sei das Wichtigste überhaupt, betonte Müntefering. Sich auf sie einzulassen, das sei der entscheidende Punkt. Nicht immer mit Worten, sondern vor allem mit dem Herzen.

Noch immer stürben viel Menschen einsam. Einsamkeit sei eine der größten Krankheiten heutzutage. Die Sicherung sozialer Kontakte könne daher gar nicht rechtzeitig genug angegangen werden. Er selbst sei an Projekten beteiligt, die sich um die Einbindung Vereinsamter in die Gemeinschaft kümmerten. So habe er zum Beispiel die Initiative „Auf Rädern zum Essen” auf den Weg gebracht, die Vereinsamten das Mittagessen in Gemeinschaft ermögliche.

Für diese und andere Projekte einschließlich SPES VIVA „benötigen wir junge Menschen, die spüren, dass sie gebraucht werden“ für die Versorgung der Älteren. Das könne sich nur im Miteinander entwickeln und nicht vom Staat verordnet werden. In diesem Zusammenhang lobte er das vielfältige Engagement Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher in der Hospiz- und Palliativhilfe. Sie sei die größte und schönste Bürgerbewegung, die in den letzten 30 Jahren entstanden sei.

Bernadette Rümmelin, Bundesgeschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes in Berlin, bezeichnete SPES VIVA als ein Leuchtturmprojekt, das in der aktuellen Debatten um Sterbehilfe Zeichen setze. Das Projekt SPES VIVA sei eng mit dem Katholischen Krankenhausverband verbunden, so die Bundesgeschäftsführerin und erinnerte an die Ausgangssituation: Das Projekt sei 1989 in einer persönlichen Begegnung von Prof. Dr. Hardinghaus und Werner Lauer, dem damaligen Leiter Krankenhilfe beim Deutschen Caritasverband, entstanden. Beiden sei es um die Entwicklung einer Palliativmedizin in Krankenhäusern gegangen. Lauers Bestreben sei es gewesen, damit der zunehmenden Technisierung in der Medizin zu begegnen. Ihm sei es wichtig gewesen, dass die Sterbebegleitung einen ebensolchen Stellenwert bekomme, wie die Bemühungen des Heilens. Sterbende sollten aus der Isolierung geholt werden. Das sei genau im Sinne von Prof. Dr. Hardinghaus gewesen, der bereits damals auch schon ein wichtiges Signal gegen Bestrebungen der Euthanasie und organisierten Sterbehilfe in der palliativen Begleitung sah. So sei das gemeinsame Modellprojekt des Krankenhauses St. Raphael Ostercappeln, der Thuiner Franziskanerinnen sowie des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland „zur Verbesserung der Sterbesituation in deutschen Krankenhäusern“ entstanden. Im Mittelpunkt der palliativen Sorge um Schwerstkranke und Sterbende habe von Anfang an die ganzheitliche Linderung körperlicher und seelischer Beschwerden und Nöte gestanden. Dazu habe auch die würdige Begleitung der Angehörigen, auch über den Tod hinaus, gehört. SPES VIVA sei im Laufe der Jahre zu einem bundesweiten Vorbild geworden. Viele katholische Krankenhäuser hätten das Konzept übernommen. Der Geist von SPES VIVA habe die Palliativversorgung stark gemacht.

In einer dem Festakt vorausgehenden Andacht hatte auch Bischof Dr. Franz-Josef Bode die Bedeutung von SPES VIVA hervorgehoben und die Arbeit aller Beteiligten gewürdigt. Er dankte allen Engagierten, die für lebendige Hoffnung sorgten. „Wir müssen unsere Flagge der Palliativbegleitung angesichts der Diskussion um den Paragraphen 217 hochhalten“.

Prof. Dr. Winfried Hardinghaus bekundete, sich weiterhin für die Palliativversorgung als ein schlagkräftiges Argument gegen die Sterbehilfe einsetzen zu wollen. Er wies auf die zunehmende Gefahr einer Liberalisierung der Sterbehilfegesetzgebung hin. SPES VIVA sei hier ein echter Hoffnungsträger. Er erläuterte an Beispielen, wie Menschen, die die Palliativ-Erfahrung gemacht hätten, ihre Einstellung geändert hätten. Hardinghaus sprach die Hoffnung aus, dass SPES VIVA in diesem Sinne noch eine große Zukunft habe. Für ihn selbst seien in den 25 Jahren die vielfältigen Gespräche mit Sterbenden, Angehörigen und Engagierten eine wichtige und oft tiefgehende Erfahrung gewesen.

Dr. Reinhold Kassing, Vorsitzender des SPES VIVA-Fördervereins, blickte zurück: In den Anfängen seien Palliativstationen oft noch distanziert gesehen worden, heute gelten sie als Qualitätsmerkmal von Krankenhäusern. Er sehe in der Etablierung einer Palliativbegleitung in Altenheimen noch eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft. In der 25-jährigen Entwicklung von SPES VIVA sei viel geschehen, nämlich das Sterben mitten in das Leben geholt worden. Dr. Kassing freute sich, dass SPES VIVA nicht nur viele Spender, sondern auch viele Botschafter habe.

Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung vom SPES VIVA Chor St. Raphael unter Leitung von Ruud van Iterson. Der Chor wurde für seine eindrucksvollen musikalischen Akzente mit viel Beifall bedacht.

Fotos: Oliver Rautenberg, www.or-fotografie.de